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Unter Akupressur verstehen wir Techniken, die mit Fingerdruck Einfluss auf das QI, die Lebenskraft des Menschen, nehmen. Sie hat ihren Ursprung in der fernöstlichen Medizin und wird je nach Herkunft auf unterschiedliche Weise ausgeführt.
Die
Punktauswahl in
All dies ist die Grundlage, aus der heraus kurze Sequenzen von Punktkombinationen zusammengestellt worden sind. die wie in der Akupunktur nach dem „Nahpunkt-Fernpunktprinzip“ funktionieren. Dabei werden Fernpunkte an den Extremitäten mit spezifischen Wirkungen und Punkte im Bereich der Rumpfs gehalten. Zum Beispiel gibt es einen Punkt, dessen Wirkung das Lösen von Schleim ist. Je nach dem Ort an dem sich der Schleim befindet -Nasennebenhöhlen, Lunge oder Darm- halten wir ihn zusammen mit entsprechenden Punkten in der Region. Ganz der Tradition der TCM folgend sind diese Punktsequenzen durch Erfahrungen von mir, Pflegekräften aus Hospiz und Palliativstationen, HospizhelferInnen sowie Ärzten in der Anwendung erprobt und ergänzt worden. So gibt es heute ein „Paket“ von bewährten „Punktrezepten“ für verschiede Indikationen, die in Kursen für Menschen, die mit schwerkranken und sterbenden Menschen arbeiten, unterrichtet werden. Diese Indikationen sind: Schmerz, Unruhe und Angst, Atmung, Übelkeit, Ödeme, Schleim, Durchfall und Verstopfung. Weiterhin ist es möglich, Eltern, Kindern oder Partnern Punkte zu zeigen, die sich in der Arbeit mit Patienten bewährt haben. Das ermöglicht auch Angehörigen eine zusätzliche Form der Beziehung, mit der die häufig vorkommende Hilflosigkeit im Kontakt mit dem leidenden Patienten überwunden wird. Für Kinder pflegebedürftiger Eltern, ist es zum Teil nicht leicht, mit den „vertauschten Rollen“ klar zu kommen, und bei Angehörigen von, Krebskranken, lösen die großen körperlichen Veränderungen oft Gefühle von Entfremdung aus. Die vorgegeben Formen der Punktanwendungen, erleichtern den oft schwierigen Körperkontakt. Das Gespräch über das jeweilige Erleben der Punktwirkung kann insgesamt den verbalen Austausch anregen und beleben. Das alles gilt natürlich auch für die Beziehung zwischen Patient und Betreuer.
Die
Spirale aus Angst, Unruhe und Schmerz „Angst sitzt im Nacken“ sagt der Volksmund, und auch bei Schmerz und Überforderung „ziehen wir der Kopf ein“, und die Schultern nach oben. Wird ein gewisses Maß an derartigen Belastungen überschritten, fällt es uns schwer einen klaren Gedanken zu fassen, wir werden unruhig. Daraus resultiert Anspannung und Angst, was wiederum zu vermehrten Schmerzen führt. Eine Spirale die alle kennen, die mit Schwerstkranken und sterbenden Menschen arbeiten Gb
20 und Bl 10 (zwei Punkte am Übergang Kopf- HWS) haben ähnliche
Indikationen, z.B. bei einem steifen Nacken. Interessant ist, dass beide
Punkte einen direkten Einfluss auf die kurzen Nackenmuskeln haben. Einige
von ihnen (M. rectus
capitis posterior minor, M. rectus capitis posterior major, M.
obliquus capitis superior, M. obliquus capitis inferior) gehören zur
autochthonen Rückenmuskulatur. Diese ist willentlich nicht beeinflussbar,
entzieht sich somit auch unserer Möglichkeit, sie auf
direktem Wege zu entspannen. „MediAkupress,
Einführung in Methodik und Praxis“ S. 46 D. Wellens-Mücher Verspannung in diesen oben beschriebenen Muskeln führen zu Anspannung im gesamten Rücken. Das sanfte Lösen der Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich durch Halten bestimmter Akupressurpunkte wird daher als sehr entspannend, beruhigend und entlastend erlebt und fördert das allgemeine Wohlbefinden. Dadurch können wir Einfluss auf diese Spirale aus Angst, Unruhe und Schmerz- nehmen. Pflegekräfte aus dem Hospiz in Neubrandenburg berichten, dass sie Schmerz- und Beruhigungsmittel einsparen können, seitdem sie mit diesen Punkten arbeiten. Weiterhin können wir durch die Beziehung von Schulter-Nacken und Atemhilfsmuskulatur erleichternd auf die Atmung Einfluss nehmen Weiterhin wird der Abfluss von Ödemen aus dem Kopfbereich unterstützt. Beispiel: Eine Patientin mit inoperablem metastasiertem Eileiterkrebs sowie Ödemen im Bauchraum und in den Beinen, erlebte ihren Körper als quälend schwer, das Atmen war mühsam. Sie hatte eine hohe Spannung in der Schulter und Nackenmuskulatur, die sich relativ gut durch Akupressurpunkte löste. Am Ende fühlte sie ihren Körper leicht und schwebend, weniger Anstrengung bei der Atmung und insgesamt war sie ruhiger und gelöster. Schön war in ihrem Fall, dass sich diese Wirkung immer wieder durch das Halten der Punkte einstellte, was eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität bedeutete.
Die TCM hat eine völlig andere Art und Weise, den Menschen in seinem Dasein zu verstehen und zu beschreiben. Hier in Beispiel SHEN der Geist wird verwendet, um die ganze Sphäre emotionaler, mental-
intellektueller und spiritueller Aspekte eines menschlichen Wesens zu
umschreiben………………. Das
BLUT (im chinesischen Sinne)
ist die Wurzel des Geistes…..weil es den Geist anwurzeln lässt, ihn
umfasst und verankert, so das der Geist ruhig und glücklich sein kann.
Bei einem Mangel an „Herzblut“ kann es den Geist nicht anwurzeln
lassen, und das führt zu Unruhe, Depression, Angstzuständen und Schlafstörungen. Giovanni Maciocia: „Die Grundlagen der
chinesischen Medizin“ S.76 Wir kennen den Ausdruck des „unruhigen Geistes“ was einem unruhigen SHEN vielleicht am nächsten kommt. Es gibt Punkte, die SHEN beruhigen und diese sind uns eine große Hilfe um Umgang mit sehr unruhigen, rastlosen Menschen, die „außer sich sind “, vielleicht unter Alpträume leiden und schwer zu beruhigen sind. Interessanter Weise tragen diese Punkte Namen, die einen Hinweis auf ihre Wirkung geben z.B. „Pfad des Geistes“ (Akupunkturnummer Du 11) "Tor des Geistes" (Akupunkturnummer He 7) "Inneres Grenztor" (Akupunkturnummer Pe 6) "Hundertfaches Zusammentreffen" (Akupunkturnummer Du 20) Wir arbeiten mit diesen Punkten in sehr unterschiedlichen Situationen, deren Gemeinsamkeit die Unruhe ist. Zum Beispiel bei Unruhe und Angst vor Untersuchungen, unruhiger Schlaf, Alpträumen. Im Sterbeprozess sind diese Punkte sehr hilfreich. Beispiel: ein 36 jähriger Patient im Hospiz entwickelte in seinem Sterbenprozess eine große psychische und motorische Unruhe. Er saß über mehre Stunden auf der Bettkante und versuchte immer wieder aufzustehen, wozu ihm aber die Kraft fehlte. Auf Medikamente sprach er nicht an. Eine betreuende Krankenschwester hielt Punkte mehrere Punkte gegen Angst und Unruhe jeweils für einige Minuten. Nach ca. einer halben Stunde war der Patient soviel ruhiger, dass er sich auf sein Bett legen lassen konnte. Eine halbe Stunde später verstarb er. Beispiel: Eine 93 alte Dame im Altenheim, zumeist zeitlich und örtlich orientiert, hatte immer wieder Phasen großer, auch motorischer Unruhe in denen sie zum Teil aufwühlende Ereignisse aus ihrem Leben wieder durchlebte. Über Bedarfsmedikation war diese Unruhe oft nicht abzufangen. Die Bewohnerin war nicht jemand, die über Berührung gut zu erreichen war, aber das Halten von Punkten, die SHEN beruhigen, ließ sie in diesen Situationen zu und konnte so zur Ruhe kommen.
Schleim, der die Atmung behindert, ist ein häufig auftretendes Problem, sowohl bei alten bettlägigen Menschen, Patienten auf Intensivstationen, Koma- und Wachkomapatienten, als auch bei Karzinompatienten. Es gibt einen Punkt, der in Kombination mit anderen eine große Bedeutung für das Lösen von Schleim hat. Er trägt den Namen „üppige Fülle“ (Akupunkturnummer Ma 40) Das ist ein außerordentlich
wichtiger Punkt, da er zur Auflösung Aufgrund
seiner schleimlösenden Wirkung Giovanni
Maciocia „Die Grundlagen der chinesischen Medizin“ Kap. 41; S.40 Beispiel: Ein 20 jähriger Patient mit dem zweitem Rezidiv eines Osteosarkoms im Gesicht klagt über einen großen Schleimpfropfen im Hals, der ihn soweit beim Schlucken behindert, dass er nur noch flüssige Nahrung zu sich nehmen kann. 3 Stunden nach einer Punktkombination mit Ma 40 zum Lösen des Schleims und weiteren Punkten die auch das Ausspucken förderten war die Kehle so weit frei, dass der Patient normale Nahrung zu sich nehmen konnte. Die Mutter lernte diese Punktkombinationen und wendet sie bei Bedarf mit Erfolg an.
Ödeme die aufgrund von Abflussbehinderungen z.B. nach Lymphknotenentfernung, Metastasen oder Kompression von außen auf die Abflusswege entstehen, lassen sich mit Akupressur besonders gut beeinflussen. Dabei wenden wir Punkt an, die auf Grund ihrer beschriebenen Wirkung Einfluss auf Ödeme nehmen. Zusätzlich lösen wir die Regionen, in denen die Abflussbehinderung liegt. Patienten berichten über eine die spürbare Wirkungssteigerung der Lymphdrainage.
Ampuku ist eine Akupressur des Bauchens die, so beschreibt Wataru Ohashi, ein japanischer Shiatsumeister in seinem Buch „Shiatsu, japanische Fingerdrucktherapie“, das allgemeinen Wohlbefindens unterstützt und zur guten Verdauung beiträgt. Bei Ampuku gehen wir mit leichtem Druck, der in Verbindung mit der Atmung ausgeführt wird den Verlauf des Dickdarms entlang. Da wir sehr sanft arbeiten können wir das auch bei Krebspatienten mit Tumor oder Metastasen ausführen. Zusätzlich werden Nah- und Fernpunkte stimuliert, die einen direkten Einfluss auf den Dickdarm haben. Mit dieser Kombination können wir sogar Patienten mit Darmträgheit aufgrund von Morphium sehr gut helfen.
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